Verlag Röthlin
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Meili – Vom Autotraktor zum modernen Spezialfahrzeug

Buchneuerscheinung: November 2004 Autor und Verleger: Gerold Röthlin, Kriens

 

Das Meili-Buch dokumentiert die Entwicklung des Traktorenbaues auf einmalige Weise

Nur kurze Zeit nach dem Erscheinen meines letzten Titels „Motrac – Firmengeschichte und Prospekte“ im Dezember 2003 erscheint im November 2004 bereits das Meili-Buch. Den Entschluss, ein Buch über die Firmengeschichte von Meili zu verfassen, hatte ich schon vor dem Motrac-Buch gefasst. Die Nachforschungen und das Schreiben für dieses Buch beanspruchten jedoch viel mehr Zeit als beim Motrac-Buch. Zudem fehlten bislang viele Fotos, um die sehr interessante Firmengeschichte bildlich zu dokumentieren. Im letzten Jahr stellte mir die Familie Meili eine umfangreiche Fotodokumentation zu Verfügung. Viele unveröffentlichte Bilder werden die Leser völlig begeistern. Die grosse Vielfalt an verschiedenen Meili-Fahrzeugen ist enorm, so dass nicht nur der Traktoren-Fan von diesem Buch begeistert sein wird. Die Firma Meili baute Autotraktoren, Industrietraktoren, Werktraktoren, Eisfeldtraktoren, Transporter, Kleinlastwagen, Pistenfahrzeuge, Riedlandraupenfahrzeuge, Armeefahrzeuge, Spezialfahrzeuge, Helikopter usw. Also fast alle Fahrzeuge, die man sich vorstellen kann.

Meili begann in Bazenheid mit dem Bau von Autotraktoren

Ernst Meili wurde am 14. Mai 1900 im Weiler Oberandwil TG als zweites von vier Kindern einer Bauernfamilie geboren. 1917 konnte Ernst Meili die Lehre als Mechaniker bei der Firma Heinrich Bosshardt in Bischofszell beginnen, bei der er auch Kost und Logis war. Bereits im Alter von 21 Jahren mietete er in Bazenheid SG eine Liegenschaft und richtete dort eine Werkstatt ein, in welcher er Reparaturen an Motorrädern und Autos ausführte. 1929 baute Ernst Meili eine neue Werkstatt in Bazenheid und übernahm die Agence-Americaine-Vertretung und eröffnete eine BP-Tankstelle. In dieser Zeit baute er seine ersten Autotraktoren. Im Frühjahr 1933 zügelte er seinen Betrieb nach Schaffhausen.

Die Entwicklung der Traktorenräder

Heute, im Jahr 2004, achtet man beim Kauf eines Traktors auf die Pneudimensionen und eventuell noch auf die Pneumarke. Ansonsten sind die Traktorenräder für die verschiedenen Hersteller kein Thema mehr. In den 30er-Jahren, als der Traktorenbau erst richtig begann, gab es aber bei den Rädern zwischen den verschiedenen Herstellern grosse Unterschiede. Die Niederdruckreifen drehten damals oft auf nassem Gras oder feuchtem Ackerboden durch. Mittels der zusätzlichen Verwendung von der Meili-Stollenkranzrädern konnte eine deutlich bessere Kraftübertragung auf den Boden erzielt werden.



Anfang der 40er-Jahre wurden Pneus zur Mangelware

Nicht nur der Treibstoff wurde während des Zweiten Weltkrieges knapp, auch neue Pneus für neue Fahrzeuge oder als Ersatz für ältere Fahrzeuge waren kaum mehr erhältlich. Keiner konnte damals abschätzen, wie lange der Krieg noch andauern würde. Deshalb wurden alle Traktorenhersteller aufgefordert, nach neuen Lösungen in Bezug der Ersatzbereifung zu forschen. Den Stempel der Originalität trug das von Meili ausgedachte gefederte Rad, dessen Blattfedern sich in ihrer Federwirkung gegenseitig ablösten. Die viel bestaunte Konstruktion war sozusagen zu 100 Prozent aus Alteisen hergestellt.



Treibstoffproblem in der Landwirtschaft

Am 24. April 1941 tagte das Eidgenössische Kriegsernährungsamt unter dem Vorsitz von Dr. Friedrich Traugott Wahlen in Bern. An diesem Tag wurde die prekäre Lage der Versorgung der Schweiz mit flüssigen Treibstoffen und die erforderlichen Massnahmen zur Überwindung der Schwierigkeiten besprochen. In wenigen Monaten konstruierte Ernst Meili eine Holzgasanlage und konnte diese nach Abnahme der Sektion „Kraft und Wärme“ erfolgreich verkaufen.



Meili-Panzer-Attrappen

Während des Zweiten Weltkrieges eroberte die deutsche Wehrmacht ein Land nach dem anderen. Die Schweizer Armee verfügte damals nur über wenige Panzer. Um aber besonders entlang der Schweizer Grenze den Deutschen Stärke zu zeigen, konnte Meili Panzer-Attrappen bauen, die man entlang der Grenzen präsentierte. Da es aber zu dieser Zeit an Material mangelte, wurden die Panzer-Attrappen zu 100 Prozent aus alten Automobilen hergestellt.



Weg vom Autotraktor und hin zum Markentraktor

Über viele Jahre hinweg war Ernst Meili einer von vielen Autotraktorenherstellern in der Schweiz. Seine Autotraktoren hoben sich schon zu dieser Zeit von den übrigen Herstellern ab: patentierter Ritzelantrieb, Meili-Greiferräder, Meili-Ersatzräder und Meili-Holzgasanlage. Trotzdem entsprachen die Meili-Traktoren bis in die 40er-Jahre bei weitem nicht dem hohen Qualitätsstandard eines Bührer- oder Hürlimann-Traktors. Bereits 1945 präsentierte Ernst Meili mit einer eleganten Form eine völlig neue Traktorengeneration. Mit diesen modernen Traktoren festigte Meili seine Position erneut auf dem Schweizer Markt und trat damit gegen die grosse Konkurrenz der bestehenden Marken-Traktoren an. Die neuen, formschönen Meili-Traktoren waren erstmals mit Diesel-Motoren ausgerüstet. Dazu verwendete man die schon seit langem bewährten Dieselmotoren der Firma Mägerle (Lizenz Sulzer).



Eine neue Traktorengeneration verhalf Meili zu neuem Verkaufserfolg

1952 nahmen Ernst Meili junior und Richard Hagen, damals beide noch in der Lehre, die Herausforderung an, einen neuen, zeitgemässen Meili-Traktor mit gegossenen Hinterachsen und Getriebegehäuse zu entwickeln. Da man bei der Konstruktion des Getriebes und der Hinterachsen usw. keine Möglichkeiten hatte, die erforderliche Stärke zu berechnen, hörte man sich immer um, welche Probleme die anderen Traktorenhersteller hatten. So besorgte man sich schon beim Bau der Meili-Traktoren P55 und dem Meili mit Hercules-Motor Achswellen eines Hürlimann-Traktors des Typs D-100. Dieser Typ verfügte über Achswellen mit einem Durchmesser von 50mm. Auch bei Hürlimann konnte man damals alles noch nicht so genau berechnen wie dies heute der Fall ist, und so baute man vieles überdimensioniert. Meili gab noch etwas dazu und machte die Achswelle für den Meili P55 mit einem Durchmesser von 65mm, für den Meili mit dem Hercules-Motor sogar 80mm.



Ausser Fliegen konnte der Meili-Flex-Trac alles

Im Jahre 1958 beschloss die Schweizer Armee, neue geländegängige Fahrzeuge anzuschaffen. Dazu wurde eine Ausschreibung an verschiedene Fahrzeughersteller verschickt, damit sich diese rechtzeitig mit ihren Fahrzeugen für eine Vorführung auf dem Armeegelände in Thun vorbereiten konnten. Auch Ernst Meili in Schaffhausen nahm diese Herausforderung an und schuf innerhalb weniger Monate ein völlig neues Fahrzeugkonzept.

Bei der ersten öffentlichen Vorführung am 31. Januar 1959 fielen die Zuschauer aus allen Wolken, als der Flex-Trac auf eine Mauer von etwa 90 Zentimetern Höhe zurollte, offenbar um sich den Kühler daran einzurennen. Kurz vor dem erwarteten Knall aber lösten sich die Vorderräder vom Boden und kletterten teils mit eigener Kraft, teils durch den Schub der vier hinteren Räder unterstützt, am Hindernis empor. Das ganze Gefährt zeigte in diesem Moment eine V-Stellung, wie man sie sonst vielleicht nur nach allerschwersten Unfällen mit kompletten Rahmenbrüchen zu sehen bekam. Als nächste Überraschung hob sich die zweite Achse so weit, dass der Vorderteil wieder in die Waagrechte kam. Weil das vordere Radpaar zog und das hintere schob, verloren die Fronträder naheliegenderweise den Halt auf der Mauer. Der Vorderteil knickte nach unten ab, und da die Mittelräder inzwischen auf der Mauer „Fuss gefasst“ und den Hinterkarren nachgeholt hatten, geschah es zum ersten Mal in der Geschichte der Automobilfahrerei, dass ein unbeschädigtes Fahrzeug auf einem Hindernis in vollendeter Katzenbuckelmanier in der Schwebe ruhte. Das nachfolgende Bild zeigt ein Kässbohrer-Flexmobil welcher in Lizenz des Meili-Flex-Trac gebaut werden sollte.



Meili zählte zu den Pionieren im Bau von Transportern

Da Ernst Meili bereits als unermüdlicher Tüftler bekannt war, besuchte ihn 1958 Herr Patista, ein Milchverkäufer aus Herblingen SH. Dieser benötigte dringend ein Fahrzeug, um im Dorf und in der näheren Umgebung die Haushaltung versorgen zu können. Ein Lastwagen war zu gross, ein Traktor mit Anhänger zu umständlich, ein Einachser mit Triebachsanhänger zu langsam usw. Es gab somit bislang kein geeignetes Fahrzeug auf dem Markt, welches seinen Anforderungen entsprach. Herr Patista wünschte sich einen Lastwagen in kleinster Ausführung, auf dem er die Milchkannen von Hand auf das Fahrzeug heben konnte. Also ein selbstfahrendes Fahrzeug mit einer grossen Ladefläche, welche sich nicht hoch über dem Boden befand. Ernst Meili nahm die Herausforderung an und konstruierte ein solches Fahrzeug, welchem er den Namen „Meili-Agromobil“ gab. In den folgenden Jahren verbesserte Meili das Agromobil laufend. Somit wurde es zum ersten Fahrzeug, welches in der Landwirtschaft in steilen Berghängen eingesetzt werden konnte. Später kam noch das Mulitimobil für die Gewerbebetriebe und für die Transportunternehmen dazu.



Meili zog mit seinem Unternehmen von Schaffhausen weg

Da sich das Meili-Firmengelände mitten in der Stadt Schaffhausen befand, war keine räumliche Erweiterung des Unternehmens mehr möglich. Daher entschied sich Ernst Meili, seinen Betrieb in Schaffhausen auf zulösen und in der Gemeinde Schübelbach im Kanton Schwyz neu auf- und auszubauen. Der Stadtrat von Schaffhausen bedauerte den Wegzug dieses tüchtigen Unternehmers. Zugleich nutzte die Stadt aber die Gelegenheit, das Fabrikareal zu erwerben und in eine neue Nutzung überzuführen. 1962 begannen in Schübelbach die Bauarbeiten für die neue Fabrikanlage. Bereits 1964 konnte sie bezogen werden.



Keine Chancen mehr in der Traktorenproduktion

Während zu Beginn der 50er-Jahre eins starker Anstieg der Neuzulassungen auf dem Schweizer Markt herrschte, machte sich Anfang der 60er-Jahre langsam eine Marktsättigung bemerkbar. Zudem mussten nach der Aufhebung der Einfuhrkontingentierung die Schweizer Produzenten den einheimischen Markt mit vielen ausländischen Mitbewerbern teilen. Das Überleben einer Traktorenmarke wurde immer mehr abhängig von tiefen Produktionskosten und einer grossen Jahresproduktion. Trotz Bemühungen in der Entwicklung neuer Meili-Modelle, glaubte man nicht mehr, dass sich die Firma in Zukunft gegen die grossen Traktorenhersteller behaupten könne. Die sinkende Jahresproduktion bei den Traktoren und die steigende Nachfrage nach Meili-Transportern (Agromobil und Multimobil) bewogen die Geschäftsleitung, den Traktorenbau auf Ende 1965 einzustellen. 1966 wurden noch vier Traktoren aus Restbeständen fertig gestellt und an ihre Kundschaft ausgeliefert.



Die Meili Fahrzeug AG wurde aufgelöst

Mit der Produktion von Kommunalfahrzeugen war die Firma Meili jahrelang fast konkurrenzlos. Dies änderte sich in den 80er-Jahren, die Jahresproduktion der Mulitmobile fiel um jedes Jahr. Dies führte Meili in eine hoffnungslose Situation, und die Firma kämpfte immer mehr mit finanziellen Engpässen. So beschloss man 1984 die Lizenz für die Produktion von Meili-Multimobilen der Firma Nencki AG in Langenthal zu verkaufen und die Firma Meili somit aufzulösen. Das Fabrikareal wurde an die Firma Universal mit Sitz in Oberrieden verkauft. Somit schloss eine bedeutende Schweizer Firma ihre Tore, welche von 1934 bis 1966 rund 7000 Traktoren, von 1959 bis 1984 rund 850Agro- und Multimobile sowie rund 100 Spezialfahrzeuge produzierte.



Die Meili-Firmengeschichte geht weiter

Obwohl 1984 die Meili Fahrzeugbau AG ihre Tätigkeit aufgeben musste, ist die Meili-Firmengeschichte an dieser Stelle noch längst nicht zu Ende. Denn 1974 entschloss sich Viktor Meili, einer der drei Söhne des Firmengründers Ernst Meili, nach diversen Meinungsverschiedenheiten, eine eigene neue Firma ins Leben zu rufen. So begann er neben dem elterlichen Betrieb in einer Halle mit der Produktion von „Viktor Meili Spezial- und Kommunalfahrzeugen“. Seine Firma konnte sich bis heute auf dem Markt behaupten und produziert jährlich rund 40 „Viktor-Meili-Fahrzeuge“.







Über 400 meist unveröffentlichte Bilder auf über 250 Seiten dokumentieren eine einmalige Firmengeschichte
Hoffentlich konnte ich Sie nun mit diesen Zeilen für das Meili-Buch begeistern, welches natürlich ganz ausführlich über jeden Zeitabschnitt und jedes Fahrzeug berichtet. Das Buch dokumentiert, nebst der Firmengeschichte des Familienunternehmens Meili, auch die verschiedenen Stufen der Entwicklung der Traktoren. Also vom Autotraktor bis zum modernen Spezialfahrzeug. Die vielen grossformatigen Bilder der verschiedenen Fahrzeuge werden Sie begeistern! Sichern Sie sich schon heute ein Exemplar des faszinierenden Buches und unterstützen Sie somit die Realisierung dieses einmaligen Werkes!!

Buchautor / Verleger: Gerold Röthlin